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Kolumne: Ich habe das Nest verlassen.

23. Mai 2017

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2015. Im März war es soweit – ich machte mein Abitur. Lange Zeit vorher habe ich mich mit den Gedanken gequält, was ich gerne machen würde, wohin es mich ziehen wird und woher ich wissen soll, ob meine Entscheidungen richtig sind. Jeder wollte mich unterstützen, doch helfen konnte keiner. Meine Gedanken drehten sich immer und immer wieder im Kreis und ich war kurz vorm Verzweifeln. Duales Studium bei einer Zeitung oder doch lieber Jura? Irgendetwas mit Medien und Kunst, aber doch was mit Zukunft…

Ich wusste nur eins: ich bin noch nicht bereit um Zuhause auszuziehen. Ich brauchte ein Studium in der Nähe. Viele reden immer davon, dass sie nach dem Abi raus wollen, das Nest verlassen, die Welt entdecken, in eine neue größere Stadt ziehen. Doch ich war nicht so. Ich war schon lange mit meinem Freund zusammen und schon immer ein Familien Mensch. Und wie hätte ich bitte meinen Hund zurücklassen können? Die Großstadt reizte mich natürlich und tut es immer noch, aber mir fehlte dafür einfach ein wenig Selbstvertrauen und ganz viel Mut.

Ich fand einen Studiengang an einer Hochschule der interessant klang und nur 20 Minuten von mir entfernt war. Konnte also in meiner Komfortzone bleiben, das Leben weiterhin in meinem Elternhaus genießen und fühlte mich sicher.

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Ich habe das Nest verlassen. Gefühlschaos.

2017. Mittlerweile bin ich 21, studiere nun schon im vierten Semester. Und wer mir auf Instagram folgt hat mitbekommen, dass ich das Nest verlassen habe. Zwar nicht ungewollt, aber doch ungeplant. Es hat sich hingezogen und doch war es Hals über Kopf. Anfangs wollte nur mein Freund von Zuhause ausziehen, doch es wurde von „unserer neuen Wohnung“ gesprochen. Ich fand gefallen daran, meine Eltern schienen ebenfalls sehr erfreut darüber. Also warum nicht. Warum nicht die ganzen Sachen packen und es einfach machen.

Es kam, wie es kommen musste. Als die Wohnung endlich nach mühsamer Renovierung, vielen Stunden und jeder Menge Schweiß fertig war, stand ich da. In der einen Hand ein Koffer voller Freude, in der anderen eine Tasche voll mit Ungewissheit und Traurigkeit. Mittlerweile nahm jeder an, dass ich mit meinem Freund zusammenziehen würde, ich hatte es nie verneint. Und versteht mich nicht falsch, unsere Beziehung ist fantastisch und wir sahen uns sowieso jeden Tag. Es gab Momente, in denen konnte ich es kaum abwarten endlich auszuziehen, mein eigenes Leben zu leben und neue Erfahrungen machen. Aber es gab eben auch stille leise Augenblicke, in denen mich Zweifel überkamen. Schaffe ich es eine eigene Wohnung überhaupt zu führen? Immerhin hatte ich vorher noch nie Wäsche gewaschen. Und was ist mit meiner Familie, die ich 21 Jahre lang jeden verdammten Tag gesehen habe? Und was zur Hölle ist mit meinem Hund, den ich zurücklassen muss? Wird er mich so vermissen, wie ich ihn?

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Mittlerweile wohnen wir hier seit ungefähr 2 Monaten und jetzt kann ich sagen: es war die richtige Entscheidung. Während ich mich die ersten Tage noch ziemlich komisch fühlte, vor allem wenn ich alleine war, bin ich nun überglücklich. Die Wohnung ist noch nicht ganz fertig, aber ihr konntet ja schon einige Einblicke bekommen. Wir haben uns unser kleines Reich hier aufgebaut und ich fühle mich Zuhause. Angekommen. Ein neues Nest – unser Nest.

Über meine Zweifel habe ich wenig gesprochen und kaum jemand hat es mitbekommen. Nur ab und zu an schweren Tagen, merkte es mein Freund. Doch jetzt fühle ich mich endlich soweit, dass ich diesen Beitrag hier online stellen kann. Es ist ein neues Kapitel in meinem Leben angebrochen, was sehr wichtig und eine große Entscheidung für mich war. Vielleicht kann ich ja auch einigen von euch damit helfen, die sich genauso fühlen. Die nicht wissen, ob sie ausziehen sollen, sei es Studiumsbedingt oder was auch immer. Und ich weiß auch, dass viele damit absolut kein Problem haben, eher im Gegensatz – es kaum erwarten können. Aber es gibt eben auch Menschen wie mich, die sich um alles Gedanken machen und nicht immer so mutig sind, wie es vielleicht scheint.

Für mich war es zu diesem Zeitpunkt die richtige Entscheidung und ich kann euch nur ans Herz legen, dass ihr euch traut. Für euch und eure Familie macht es keinen Unterschied – ihr werdet für immer verbunden sein, egal ob ihr direkt neben ihnen oder am anderen Ende der Welt seid.

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Habt ihr bereits euer Nest verlassen? War es für euch auch eine schwere Entscheidung oder fiel es euch leicht? 

Bilder: Michael Kremsler

8 Comments

  • Reply Tina 23. Mai 2017 at 12:20

    Achja, die Sache mit dem Hund ist mir auch super schwer gefallen! Bei uns war es auch ungeplant mit dem Auszug, aber wir haben es so geregelt, dass sie immer abwechselnd bei mir und meinem Freund ist oder eben bei meinen Eltern. Dann bekommt sie bei allen die beste Prinzessinnen Behandlung und der andere hat auch mal etwas mehr Zeit Dinge zu erledigen.
    Vielleicht könnt ihr Cooper ja auch mal als Übernachtungsgast aufnehmen. 🙂

    Viele Grüße!

    • Reply Linsenspiel 25. Mai 2017 at 11:01

      Liebe Tina, vielen Dank für deine Worte 🙂 Ja das wäre wirklich schön, wenn er als Übernachtungsgast kommen könnte, aber „leider“ haben wir die Katze von meinem Freund hier in der Wohnung und ich bin mir nicht so sicher, ob das gut gehen würde 😀 Aber ich gehe ihn mindestens einmal die Woche besuchen :)!

  • Reply Claudia 26. Mai 2017 at 12:52

    ich kann gerade sooo vieles in meiner eigenen geshcichte wiederfinden weil ich auch meinen BA erst noch von zuhause aus wohnend gemacht habe und jetzt für meinen MA ausgezogen und mit meinem freund zusammegzogen bin. ich hatte am anfang sehr sehr große vorfreude und meine zweifel kamen eher später während des zusammenwohnens aber mittlerweile bin ich total happy. gerne würde ich näher zu meinen freunden wohnen weil mein freund und ich rund 1000km weit weggezogen sind aber die smesterferien sind da dann immer ein großes highlight wenn man alle wiedersieht! liebe grüße – wir machen bald erstmal urlaub im hotel sterzing
    Claudia

  • Reply antela 26. Mai 2017 at 21:48

    I like the whole styling and photos! Cheers to the photographer who did a great job capturing your style!
    <3

    http://blamod.com

  • Reply Jela 27. Mai 2017 at 15:52

    Ich kann auch wirklich mit dir Fühlen. Ich möchte auch in der nahen Zukunft mit meinem Studium beginnen aber trotzdem noch gerne das Elternhaus nicht verlassen. Es gibt aber zum Glück hier die Möglichkeit, sodass ich kein großes Problem mit diesem Aspekt haben werden. Allerdings weiß man natürlich nie was kommt – vermutlich doch ganz anders, als man es jetzt plant.
    Im übrigen finde ich die Bilder so unglaublich schön! 🙂

    Liebe Grüße
    jelaegbe.blogspot.de

  • Reply Carolin 27. Mai 2017 at 17:44

    Das ist so ein toller Text Liebes! Du hast deine Gedanken ganz wunderbar in Worte gefasst und ich kann deine Gefühle auf jeden Fall nachvollziehen.
    Ich bin das erste Mal nach dem Abi zum studieren ausgezogen, aber planungsbedingt immer wieder für ein paar Monate zurück zu meinen Eltern. Entgültig ausziehen werde ich wohl im Herbst, darauf bin ich auch schon sehr gespannt 🙂

    Liebe Grüße, Caro :*

    http://nilooorac.com/

  • Reply Patty 28. Mai 2017 at 21:50

    Wow das klingt ja wirklich total aufregend. Ich wohne zwar noch daheim, aber da ich eine komplett eigene Wohnung in unserem Haus habe ist es quasi wie eine eigene erste Wohnung. Momentan kann ich es mir noch gar nicht vorstellen auszuziehen, aber ich bin mir sicher, dass das schneller kommt als man gucken kann. Genauso wie bei dir wird es wahrscheinlich auch bei mir ablaufen, da solche Situationen sich meist spontan ergeben 🙂

    Liebe Grüße
    Measlychocolate by Patty
    Measlychocolate now also on Facebook

  • Reply Iris 30. Mai 2017 at 7:44

    Ich bin vor vier Jahren von zuhause ausgezogen, weil meine Uni 300km entfernt war. Das fand ich aber auch nicht schlimm, weil ich die Art von Person war, die nach dem Abi einfach nur weg wollte. Zwar hat es mit der neuen Stadt auch nicht richtig geklappt, und ich bin nach drei Jahren wieder weggezogen, aber die Entscheidung habe ich nie bereut.

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